Einen perfekten Moment erleben dürfen..

Ich wache auf.. es ist Samstag Nachmittag.. die Herbstsonne spiegelt sich in den gegenüberliegenden Fenstern und es zieht mich nach draussen..

 

Eine letzte Runde Motorradfahren bei schönem Wetter schwirrt mir sofort durch den Kopf.. ich werde das Ganze mit einem kleinen Einkauf für´s Wochenende verbinden...

 

 

Geduscht..angezogen... rauf auf´s Moped.. 

 

Ich fahre die ersten Meter.. es fühlt sich gut an. Die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht als ich an der Ampel stehe. Ich möchte nur raus aus der Stadt.. Autobahnanfang.. ich lasse die Stadt hinter mir. Habe nur 2 Ausfahrten zu fahren um meinen Einkauf zu erledigen..

 

Mir ist warm und wohlig bei gemütlichen 90 km/h..

 

Jetzt sehe ich die Berge.. wunderschön! Sie leuchten in der Spätnachmittagsonne und laden mich ein. In mir macht sich ein warmes Gefühl breit und die Autobahn scheint weit und friedlich zu sein.. ich schau´ mir die Bäume im Herbstlaub an.. und es kommt mir wie ein Feuerwerk der Sinne vor..

 

Ich spüre.. es kommt ein perfekter Moment auf mich zu! Was für ein Hammer Gefühl.. es ist wie ein Zieleinlauf. Und das so unverhofft, denn gerade lag ich noch in meinem Bett.. und nun das.

 

Die 2. Ausfahrt zieht an mir vorüber.. der Einkauf kann warten. Noch ein wenig Sonne und Berge jubelt meine innere Stimme..

 

Ich fahre gemütlich weiter Richtung Berge. Einfach gerade aus.. keine Kurve, kein Lenken.. kein Stress..

 

Ich bin positiv verwundert, denn nach 20 km befinde ich mich noch immer in diesem "einen" perfekten Moment. Er hört nicht auf. Die Berge kommen näher und die Sonne scheint von Westen mein Herz und die Berge zu erleuchten. Ich habe den Wendelstein genau vor mir und sehe bis tief in den Westen zur Zugspitze.

 

Eine Stimme in mir sagt, jetzt fährst du noch weiter bis zum Irschenberg. Dort oben kaufst Du dir einen Cappucino und ein Blaubeermuffin. Dann ist der Moment noch mehr als perfekt (am pefektesten:-) )

 

Ich genieße das Rütteln des Motors und die Langsamkeit.. alles scheint mir immer noch sehr weit.. Es gibt Luft zum Atmen.. meine Seele ist höchst erfreut.

 

Ich nehme die Ausfahrt und kehre ein. Ich gebe die Bestellung auf und halte den Cappucino und den Muffin stolz in meiner Hand. Ich setze mich draussen mit Blick in die Berge und über die grünen Wiesen auf einen Stein. 

 

Endlich nehme ich den ersten Schluck und beisse in den Muffin..

 

Mein perfekter Moment.......... 

 

ist vorbei! Der Muffin ist zu süß, der Kaffee schmeckt nach weit weniger als in meiner Vorstellung der letzten viertel Stunde.. ich nehme einen zweiten und dritten Bissen.. ich spüle das ganze mit dem Kaffee runter.. es geht so.. ist schon in Ordnung..

 

Ich wende meine Aufmerksamkeit ab vom Muffin und Kaffee und schaue mir wieder das Panorama an.. mein Herz geht wieder auf.. ich spüre die Wärme der Abendsonne.. endlich das Gefühl scheint wieder zu kommen.. ja jetzt ist es wieder da.

 

Und dann wird mir umgehend bewusst, was mich aus diesem perfekten Moment rausgeholt hat. Mein EGO, die Vorstellung des Lebens, was zu einem perfekten Moment gehört, wie dieser aussehen soll.. der Wunsch des Egos nach noch mehr.. noch besser.. noch pefekter!

 

Aber war das nicht meine innere Stimme? Die Antwort liegt umgehend auf der Hand. Die Stimme sagte mir ich solle an der 2. Ausfahrt vorbei fahren.. hab ich gemacht.. mein Körper hat mich mit Wohlgefühl, Wärme und Energie belohnt.. eine Stimme sagte, ich soll mir den Moment mit einem Cappucino und Muffin noch besser machen.. hab ich getan.. mein Körper hat sofort darauf reagiert.. mit Kraftlosigkeit und Enttäuschung reagiert.. und das ist gut so!

 

Ich setze mich wieder auf mein Motorrad und fahre zurück, jetzt der Abendsonne entgegen.. wunderbar. Sofort ist wieder dieses unglaubliche Gefühl der inneren Ruhe und Freiheit zu spüren.. und das obwohl die Autobahn heimwärts 4 spurig vollgestopft mit reisenden ist.. ich bin sehr dankbar für das Erleben..

 

ich biege Richtung Einkaufszentrum ab.. möchte die guten, leckeren Tomaten von gestern nochmal kaufen.. kann den Tomatensalat schon schmecken..

 

Steige ab, geh rein.. eine endlose Schlange von Menschen... suche meine Tomaten.. ausverkauft.. wieder Enttäschung.. denke nach warum.. Erleichterung macht sich breit.. wieder mein Ego.. ich muss vor mich hin schmunzeln!

 

Fahre Richtung Heimat.. bleibe beim Penny stehen.. Helm runter.. halber Schritt in den Supermarkt.. Menschenschlange.. ich dreh´ um.. darf wieder schmunzeln.. der Lerneffekt war schon sehr viel schneller!

 

Ich gehe gegenüber zu unserem griechischen Türken, dem Obst und Gemüsehändler meines Vertrauens.. kaufe ein Kilo leckerer Tomaten.. Staudensellerie.. Fenchel.. bekomme noch ein nettes Lächeln und ein schönes Wochenende gewünscht.. setze mich auf mein Moped.. den Einkauf und meinen Helm am Lenker und fahre mit einem breiten Lachen ohne Helm in Schrittgeschwindigkeit durch mein Viertel nach Hause..

 

Ein perfekter Moment!!!

 

Vielen dank ans Leben und das es jedem von uns immer neue Chancen bietet. Ich bin und bleibe "Fan vom Leben".

 

Der glückliche Robin

 

 

 

Etwaige Fehler sind beabsichtigt und zur Belustigung des Lesers gedacht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Johannes (Mittwoch, 23 Oktober 2013 07:21)

    wir hätten uns treffen können - ich war auch unterwegs. Der Mustang wurde gesattelt und durfte sich 4 Stunden in die Straßen der Alpen krallen.

    Gruß
    Johannes

  • #2

    Roberto (Donnerstag, 24 Oktober 2013 12:26)

    Hallo Robin,
    schön wenn man erkennen kann wo diese Ziele liegen, die so klein und doch so wichtig sind. So einige TOP Manager könnten sich mal bei Dir melden um "Erleichterung" zu erfahren.... das täte dieser Gesellschaft mehr als gut !!!
    Beste Grüße
    Roberto